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KULTURLOBBY ZÜRICH


Ausgangslage

In Beschlüssen des Bundes und des Kantons Zürich wird der Kultur grosse Bedeutung beigemessen. So wird in der von National- und Ständerat im Dezember 2011 verabschiedeten Botschaft zur Förderung der Kultur 2012 – 2015, folgendes festgehalten:

«Die genuine Bedeutung der Künste liegt allerdings in ihrer Wirkung auf die Sinne. Wie nichts sonst vermögen Kunstwerke die Menschen zu berühren, zu bewegen und anzuregen. Künste schärfen die Wahrnehmung und entwickeln das Bewusstsein. Es gibt keine bessere Schule des Betrachtens, der Aufmerksamkeit, des Differenzierens als Kunst. Genaues und kritisches Hinhören, Hinsehen, Mitdenken macht die Menschen aufmerksam, ausdrucks- und urteilsfähig. Sobald eine sinnliche Anschauung in emotionale oder intellektuelle Erkenntnis übergeht, wird sie gesamtgesellschaftlich bedeutsam. Der eigentliche Wert der Kultur liegt darin, dass sie dem Menschen ermöglicht, sich selbst und sein Umfeld zu verstehen und verständlich zu machen. Im Kern trägt staatliche Kulturförderung also zur demokratischen Entwicklung des Gemeinwesens bei. Sie ermöglicht den Bürgerinnen und Bürgern eine kulturelle Orientierung, die für die Wahrnehmung bürgerlicher Rechte und Pflichten unerlässlich ist.»
 

Gemäss der Bundesverfassung sind in erster Linie die Kantone für die Förderung der Kultur zuständig

Art. 69 Kultur, Bundesverfassung

1 Für den Bereich der Kultur sind die Kantone zuständig.

In der Verfassung des Kantons Zürich wiederum verpflichtet dieser sich und die Gemeinden des Kantons mehrfach für die Förderung der Kultur

Verfassung Kanton Zürich

Präambel,
(…)
im gemeinsamen Willen,
Freiheit, Recht und Menschenwürde zu schützen und den Kanton Zürich als weltoffenen, wirtschaftlich, kulturell und sozial starken Gliedstaat der Schweizerischen Eidgenossenschaft weiterzuentwickeln, geben uns die folgende Verfassung:

Art. 8
Kanton und Gemeinden schaffen günstige Rahmenbedingungen für wirtschaftliche, kulturelle, soziale und ökologische Innovation.

Art. 120
Kanton und Gemeinden fördern die Kultur und die Kunst.

Im Kanton Zürich sind dann vor Allem die grossen Städte für die Kulturförderung zuständig, sie werden mit finanziellen Mitteln des Kantons im Rahmen des Lastausgleichs darin unterstützt.
 

 
 

 
 
 

Absichtserklärungen, Gesetzes- und Verfassungsartikel werden jedoch, wie sich immer wieder zeigt, nur durch- und umgesetzt, wenn sich jemand für sie stark macht. Deshalb brauchen der Kanton Zürich und seine Gemeinden eine starke Kulturlobby.

Am 19. Januar 2012 traf sich eine Gruppe von Kulturschaffenden, um eine solche ins Leben zu rufen.

Die Zürcher Kulturlobby setzt sich zum Ziel, mit öffentlichen Aktionen, Kontakten zu Politikerinnen und Politikern und sonstigen Meinungsträgerinnen und Meinungsträgern, die Anliegen der Zürcher Kunst- und Kulturschaffenden ins öffentliche Licht zu rücken, sie politisch einzubringen und der Kunst und Kultur mehr gesellschaftliche Bedeutung und öffentliche Unterstützung zu verschaffen. Gleichsam soll innerhalb der verschiedenen Kultur- und Kunstsparten ein Austausch gepflegt werden.
 

 
 

 
 
 

Aktuelle Situation im Kanton Zürich und den Städten:
Sparmassnahmen zeichnen sich ab

Angesichts der kritischen Wirtschaftslage und dem stetigen Druck auf die Steuern durch die Mitte-Rechtsmehrheiten in den Parlamenten zeichnen sich Sparmassnahmen bei den Staatsausgaben ab. Die Kulturausgaben werden dabei, wie gewohnt, besonders unter Beschuss kommen. Zurzeit (Januar 2012) sind im Kantonsrat Sparanträge beim Opernhaus (5 %) und beim Zürcher Filmfestival (gesamter kantonaler Beitrag) gestellt. Weitere werden bestimmt bald folgen. Auch wird es immer schwieriger Zustimmung für zusätzliche Beiträge im Bereich der Kunst und Kultur zu finden. Kunst und Kultur werden zunehmend als Wirtschaftsfaktor betrachtet, der sich selbst finanzieren oder zumindest den Standortgemeinden und dem Kanton einen wirtschaftlichen Nutzen bringen soll. Vor Allem die zeitgenössische und experimentelle Kunst gerät dadurch unter die Räder.
 

 
 

 
 
 

Bei diesem ersten Treffen der Zürcher Kulturlobby wurden mögliche Formen und Aktivitäten einer Zürcher Kulturlobby formuliert:

  • Die Kulturlobby soll nicht eine starre Institution mit vielen Sitzungen sein, sondern ein Zusammenschluss von Menschen, welche sich für eine starke Kultur- und Kunstförderung einsetzen und mit Aktionen auf dieses Anliegen aufmerksam machen.
     
  • Mit Aktionen und direkten Kontakten von Kunstschaffenden soll die Situation der Künstlerinnen und Künstler und ihre Anliegen an die Politikerinnen und Politiker herangetragen werden.
     
  • Mit agilen, schlagfertigen Gruppen soll auf aktuelle kulturpolitische Themen im Kanton, den Städte und den Gemeinden reagiert werden. Dafür ist eine breite Unterstützung zu suchen.
     
  • Die Kunst- und Kulturschaffenden sollen die Anliegen nicht nur spartenspezifisch, sondern auch über die eigene Sparte hinaus wahrnehmen, sich gegenseitig unterstützen und gemeinsam und solidarisch für ihre Anliegen öffentlich eintreten.

Die Organisationsform ist noch offen. Vorerst soll von einer kleinen Gruppe (3 Personen) ein Verein gegründet werden, damit ein Konto eröffnet werden kann. Zudem soll eine Webseite für erste Basisinformationen eingerichtet werden.
 

In einem ersten Brainstorming wurden einige Forderungen und Bedürfnisse an die öffentliche Hand und die Behörden formuliert:

  • Keine Kürzung, sondern Erhöhung der Ausgaben der öffentlichen Hand für Kunst und Kultur.
     
  • Besserer Ausgleich der Ausgaben zwischen den etablierten Kulturinstitutionen und dem Freien Kunst- und Kulturschaffen.
       
  • Mehr preisgünstige Räume für die nicht etablierte Kunst und Kultur in allen Sparten, sowohl für die Öffentlichkeit (Ausstellungen, Vorstellungen) als auch für die Arbeit (Ateliers, Proberäume).
     
  • Flexiblerer und offenerer Umgang der Kulturförderstellen mit Gesuchen: Neuen Formen, Ideen und Bedürfnissen aus dem Kunst- und Kulturschaffen darf nicht mit starren, unverrückbaren Förderreglementen entgegengewirkt werden.
     
  • Kunst und Kultur soll nicht in erster Linie als «Business und Standortmarketing», sondern als wichtige Grundlage der Existenz einer demokratischen Gesellschaft dargestellt und begriffen werden.

Kunst- und Kulturschaffende sowie alle weiteren kunst- und kulturinteressierten Menschen sind aufgerufen der Zürcher Kulturlobby beizutreten, bei ihrer Aktion mitzumachen oder sie zu unterstützen.

 

21.01.2012 /hl

 
     
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